Diesel Emissions Conference in Brüssel
Blick in eine reine Zukunft
Mit einem vergleichsweise weiten Horizont und interessanten technischen Perspektiven haben sich Mitte Juni in Brüssel Experten aus aller Welt mit den Herausforderungen der kommenden Abgasnachhandlung von Dieselmotoren auseinandergesetzt. Die zentrale Botschaft: Die Grenzen heute schon definierter Schadstoffemissionen werden weiter sinken und gleichzeitig auf weitere Anteile im Abgas ausgeweitet.
Bezogen auf die Nutzfahrzeuge bezeichnete Dr. Heiko Lottmann von der Daimler AG die Einspritzpumpe bzw. deren Technik nach wie vor als zentrales Element des Dieselmotors zum Erreichen niedriger Abgaswerte. Ergänzend stellte jedoch auch Lottmann fest, dass nur weltweite Anstrengungen im Bereich der Abgasemissionen dauerhaft die gewünschte Verbesserung der Umgebungsluft erreichen könnten - und verwies dabei auch auf die weltweit unterschiedlichen Dieselqualitäten gerade in Bezug auf den Schwefelgehalt.
Ausgesprochen kritisch wurde insbesondere vor dem Hintergrund der zu verabschiedenden Euro-6-Grenzwerte ein Beitrag von Alessandro Bertello von der Europäischen Kommission gesehen. Grundsätzlich stimmten die Teilnehmer mit den Zielen der EU überein, wenn man jedoch derzeit an Grenzwerten der Euro 6 arbeiten würde, die mit einem deutlichen Mehrverbrauch der Antriebe einhergehen und so zusätzliches CO2 verursachen, sollte man doch nochmals kritisch über die geplanten Grenzwerte nachdenken. Dabei stellte allerdings auch Bertello für die ferne Zukunft ein NO2-Limit für schwere Nutzfahrzeuge in Aussicht. Die in Brüssel versammelten Experten rechnen derzeit mit einem Inkrafttreten der Euro 6 für das Jahr 2014, eine nochmals strengere Euro 7 erwartet man nicht vor 2020.
Am Rande der Konferenz diskutierten die Experten aus Wirtschaft und Administration auch ein weiteres Mal über eine grundsätzliche Herausforderung immer kleinerer Grenzwerte: Mit der Reduzierung der Limits steigt auch die Anforderung an die Messtechnik, die heute beispielsweise schon dazu führt, dass ausgesuchte Messeinheiten weltweit nur von ganz wenigen, hoch spezialisierten Unternehmen verfügbar sind - und sich die notwendigen Messreihen als ebenso anspruchsvolles Prozedere entpuppen.
Einen überaus praxisbezogenen, weil die derzeitige Situation beschreibenden Vortrag zum Thema Diesel Emissionen steuerte Tim Cheyne bei. Der Geschäftsführer der Integer Research Ltd. erwartete in Brüssel langfristig nicht nur einen höheren Dieselpreis gegenüber den Benzinwerten, sondern sieht auch grundsätzlich einen deutlichen Preisanstieg bei der Abgasnachbehandlung. Die Ursachen hierfür sind aber nicht nur das zunehmend höhere technische Niveau, sondern auch eine spürbare Verknappung der notwendigen Rohstoffe.
Ein AdBlue-Forum am dritten Veranstaltungstag und eine kompakte Ausstellung teilnehmender Unternehmen zu den beschriebenen Aspekten rundete schließlich die diesjährige Diesel Emissiones Conference in Brüssel ab.
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