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NFM-Verlag > Archiv > Test- & Fahrberichte

27.11.2009

Iveco Eurocargo: Viel Komfort im mittelschweren Segment

Fotos: Iveco, sk

Fast schon ein kleiner Stralis

Sie sind aus vielen Logistiksegmenten nicht mehr wegzudenken: Mittelschwere Verteiler-Lkw. Großhandelsunternehmen setzen ebenso auf die Fahrzeugklasse zwischen 7,5 und 18 t zul. GG wie Verteilerspeditionen und Unternehmen, die auf möglichst wirtschaftliche Transporte im Nah- und Regionalbereich angewiesen sind. Das macht das Geschäft für die Hersteller nicht gerade einfach. Wie in keiner anderen Fahrzeugklasse wird hier von den Kunden vor allem auf den Preis und die Life-Cycle-Costs geschaut. Günstig bedeutet aber auch in diesem Segment nicht Billig. Im Gegenteil: Die Mittelschweren Verteilerfahrzeuge sind in den letzten Jahren immer attraktiver geworden. Das gilt auch die den Iveco Eurocargo.

Fotos: Iveco, sk

Die Baureihe wurde 2008 komplett überarbeitet und präsentiert sich seitdem attraktiver denn je. Wir waren mit dem neuen Eurocargo jetzt auf Verteilertour im Elbe-Weser-Dreieck unterwegs. Testfahrzeug war ein Eurocargo 120E25 EEV und damit eine höchst interessante Variante. Zum einen gehört das Fahrzeug mit seinen 11,99 t zu den so genannten „Mautkillern“ zum anderen sorgt der EEV-Standard für minimale Abgaswerte. Letzteres macht diesen Eurocargo auch zu einer attraktiven Alternative in den zahlreicher werdenden Umweltzonen mit ihren rigiden Vorschriften.     

Zunächst zu den Äußerlichkeiten: Das Facelift hat dem neuen Eurocargo designmäßig richtig gut getan. Ähnlichkeiten mit dem großen Bruder Stralis sind ganz und gar nicht zufällig. Besonders augenfällig wird die Ähnlichkeit beim Kühlergrill und der Front des neuen Eurocargo. Aber auch in Sachen Funktionalität und Komfort knüpft Iveco mit dem Eurogargo an den Stralis an. Unser Testfahrzeug war mit dem kurzen Fahrerhaus ausgestattet, das dem Fahrer trotz der begrenzten Abmessungen viel Raum bietet. Auch lange Arbeitstage lassen sich in dem Fahrerhaus vergleichsweise angenehm durchstehen. Das gilt übrigens auch für den Einstieg. Der ist bekanntlich für Verteilerverkehrsfahrzeuge eine besondere Herausforderung, da der Fahrer je nach Tour diverse Male ein- und aussteigen muss. Ein Unterfangen, das durch die beiden Haltegriffe im Türbereich Im Zuge der Überarbeitung wurde das Interieur den wachsenden Ansprüchen der Fahrer angepasst. Die Kabine bietet einen ebenen Durchstieg und viele Staufächer. Das kompakte, gleichmäßige und einfarbige Armaturenbrett „aus einem Guss“ ist ergonomisch und alles bequem erreichbar. Die Instrumentenausrüstung wurde erweitert und funktionaler gestaltet. Die am häufigsten betätigten Schalter wurden neu platziert. So auch der Hebel für die Feststellbremse, der sich jetzt auf der Mittelkonsole befindet. Die beiden Lenkstockhebel wurden logischer und griffiger angeordnet. Was bedauerlicherweise fehlt, sind vernünftige Ablagen für den gerade im Verteilerverkehr umfangreich vorhandenem Papierkram. Hier wäre die eine oder andere Ablage im DIN A4-Format im Griffbereich des Fahrers wünschenswert. 

Wirtschaftliche Tector-Technik

Basis für die Wirtschaftlichkeit eines Nutzfahrzeuges ist der Antriebsstrang. Unter dem kurzen Fahrerhaus unseres Testfahrzeuges war ein Tector 6-Motor montiert, der Wirtschaftlichkeit, Leistung und Souveränität miteinander verknüpft. Das 6-Zylinder-Aggregat holt aus 5,9 l Hubraum 185 kW (251 PS). Sein maximales Drehmoment liegt bei 850 Nm, die in einem Drehzahlbereich zwischen 1250 und 2250 u/min anliegen. Die Übertragung des Drehmoments an die Hinterachse des Eurocargo hat in unserem Fall ein automatisiertes Eurotronic – 9-Gang-Getriebe übernommen. Eine ausgefeilte Software sorgt dafür, das der jeweils wirtschaftlich optimale Gang gewählt und so der Verbrauch optimiert wird. Dazu kommt für den Fahrer gerade im innerstädtischen Verteilerverkehr ein deutlicher Komfortgewinn. Statt sich mit kräftezehrender Schaltarbeit zu beschäftigen, kann der sich auf den Verkehr konzentrieren und den Automaten wirtschaftlich schalten lassen.     

Umfangreiches Safty-Gedeck

Wie alle Eurocargo-Vrianten ab 180 PS war auch unser Testfahrzeug standardmäßig mit einer sehr kraftvollen Motorbremse ausgestattet. „Sehr kraftvoll“ ist dabei nicht übertrieben. Die Motorbremse erinnert in einigen Situationen an einen Retarder. Die Steuerung der Motorbremse erfolgt übrigens über den rechts an der Lenksäule angebrachten Hebel. Zwei automatischen Betriebsarten für die Motorbremse sind möglich: Entweder durch Loslassen des Gaspedals oder Antippen des Bremspedals. Die Luftdruck-Bremsanlage wurde mit neuen Bremsscheiben größeren Durchmessers und größerer Stärke ausgestattet, die Bremsbeläge sind ebenfalls dicker. Das bedeutet eine Zunahme des Volumens von 35%. Damit wurde die Fahrsicherheit erhöht und die Wartungskosten auf ein Minimum reduziert. Die Bremsanlage verfügt über das Antiblockiersystem (ABS), die Antriebsschlupfregelung (ASR) sorgt für leichteres Anfahren auf Schotterstraßen oder rutschigen Oberflächen und verringert damit die Reifenabnutzung. Die für die Versionen mit pneumatischen Bremssystemen erhältliche elektronische Stabilitätssteuerung (ESP) erlaubt selektives Abbremsen der Räder und gewährleistet in allen Situationen unverminderte Seitenführung und Rollover-Schutz gegen ein Ausbrechen des Fahrzeugs. Eine Hill-Holder-Funktion (Rückrollsicherung) hilft dem Fahrer zusätzlich beim Anfahren am Hang.

Fotos: Iveco, sk

Eine wichtige Eigenschaft von Verteiler-Fahrzeugen ist ihre Aufbaufreundlichkeit. Kein Wunder, der größte Teil der ausgelieferten Fahrzeugen wird nachträglich mit einem einsatzspzifischen Aufbau ausgestattet. In unserem Fall war das eine ganz banale überplante Pritsche mit Ladebordwand, es kann aber auch ein Koffer, Kipper, oder sonstiger Sonderaufbau sein. Egal welcher Aufbau es sein soll, der neue Eurocargo präsentiert sich mit seinem parallel angeordneten Längsträger aus Feinkorn-Spezialstahl aufbaufreundlich. Eine vollkommen ebene Fläche über der Rahmenoberkante bietet damit die Möglichkeit, Aufbauten zwischen 3845 und 10.070 mm zu montieren. Damit dieser Eingriff möglichst  schnell und bequem vonstatten gehen kann, ohne die ursprüngliche Produktqualität zu beeinträchtigen, wurde der Eurocargo für alle Getriebe mit einem umfassenden Sortiment an Nebenabtrieben von ZF und Hydrocar ausgestattet sowie zusätzlich, für die Ausführungen mit 280 PS und 300 PS – Motoren, mit einem Multipower-Abtrieb von Iveco.  Die Nebenabtriebe werden elektrisch betätigt und die Steuerung erfolgt über den Tempomat und das Expansionsmodul, die für die Verbindung zum CAN-Bus sorgen. Es herrscht also maximale Entscheidungsfreiheit beim Einsatz der Nebenabtriebe.

Fazit: Der neue Eurocargo hat in vielerlei Hinsicht einen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Das gilt sowohl für das kraftvolle Design, als vor allem auch bei der Technik. Hier rücken die Themen Wirtschaftlichkeit, Zuverlässigkeit und Komfort weiter in den Mittelpunkt. Das wiederum freut Fahrer und Unternehmer. Der eine profitiert vom gesteigerten Komfort, der andere von der gewachsenen Wirtschaftlichkeit.

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