Gelungener Kompromiss
Der DAF XF 105.410 mit Space Cab bietet nicht nur Kostenvorteile
DAF XF 105.410 mit Space Cab-Fahrerhaus? Nicht gerade ein spektakulärer Lkw, aber einer, mit dem Geld verdient wird. Mit seinen 410 PS und ohne kostspielige XXL-Hütte ist der Truck ein echtes Brot und Butter-Auto, das sich seinen Stammplatz in zahlreichen Flotten erobert hat. Wie gelungen ist der Kompromiss zwischen Wirtschaftlichkeit, Komfort und Alltagstauglichkeit? Wir haben den XF 105.410 genauer unter die Lupe genommen.
Nach mehr als zwei Jahren Marktpräsenz hat sich der XF 105 im Straßenbild etabliert. Vor allem mit Super Space Cab und den markanten Dachscheinwerfern ist das Auto ein echter Hingucker. Bei den Motorisierungen haben die deutschen DAF-Kunden eine ganz klare Präferenz: Der Löwenanteil, nämlich 67,1 Prozent, entscheiden sich für die 460 PS-Variante. Lediglich 26,2 Prozent sind mit 410 PS zufrieden. Der Rest, 6,7 Prozent, ist mit der 510 PS-Variante unterwegs. Zahlen, die deutlich machen, wo der Trend hingeht. Und das sind eindeutig die höheren Leistungsregionen. Bei anderen Herstellern sind ähnliche Tendenzen zu beobachten.
Mit Leistungen von knapp über 400 PS gehört man inzwischen also zu den schmalbrüstigen motorisierten Vertretern im Transportgewerbe. Für einen Großteil der Einsatzprofile ist das nur schwer nachvollziehbar, schließlich ist man auch mit 300 kW im „normalen” nationalen Fernverkehr durchaus ausreichend motorisiert.
Wirtschaftliche Basis
Der Vorteil hoher Motorleistungen und damit verbundenen hohen Marschgeschwindigkeiten wird vielfach durch Überholverbote egalisiert. Wozu etwa auf der Strecke Hamburg-Fulda einen Truck jenseits der 500 PS-Klasse einsetzen? Ein Frage, die sich besonders die Manager von Großflotten immer wieder stellen. Hier wird gerade angesichts explodierender Kosten schon längst nicht mehr aus dem Vollen geschöpft. Das gilt ganz besonders in Sachen Motorleistung und Komfort.
Bei unserer Testtour hat die 410 PS-Variante des 13-Liter-Paccar-Motor einen passablen Eindruck hinterlassen. Sicherlich spürt man gerade beim Anfahren die vergleichsweise geringe Leistung. Auch das maximale Drehmoment von 2000 Nm bei 1000 bis 1500 u/min könnte höher sein. Gleichwohl kann man mit dem allgemeinen Verkehrsfluss gut mithalten. Die Paccar MX-Motorenbaureihe ist die wirtschaftliche Basis des XF 105. Das vor drei Jahren neu vorgestellte Triebwerk erreicht die Abgasnorm Euro 5 mit Hilfe der SCR-Technologie. Zu den großen Stärken des Motors gehört zweifellos seine Wirtschaftlichkeit. Wirtschaftlichkeit zeigt sich besonders im Kraftastoffverbrauch. Der ist gegenüber der vorherigen Motorengeneration nach Herstellerangaben um 4 Prozent gesunken.
Reduzierter Wartungsaufwand
Weitere Parameter für Wirtschaftlichkeit sind geringe Wartungskosten, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit. Zunächst zum Wartungsaufwand: Die Wartungsintervalle können bis zu 150.000 km gedehnt werden. Das bedeutet, dass der Halter beim normalen Fernverkehrseinsatz mit einem Boxenstopp pro Jahr hinkommt. Das Aggregat wurde für eine durchschnittliche Laufleistung von 1,6 Millionen Kilometer konzipiert.
Der MX-Motor verfügt über einen Turbolader mit geregeltem Bypass und Ladeluftkühlung (Intercooling). Die in Zusammenarbeit mit Delphi entwickelte Hochdruck-Kraftstoffeinspritzung SMART ist vollständig in den Zylinderblock integriert. Je nach Situation ist Vor- oder Nacheinspritzung oder eine Kombination aus beidem möglich. Diese Faktoren führen zu einer optimalen Motorcharakteristik bei geringem Lärmpegel und Kraftstoffverbrauch sowie minimalen Abgasemissionen. Außerdem ist zur Erfüllung der Euro-4- und Euro-5-Abgasnormen, die 2006 bzw. 2009 in Kraft treten, kein Rußfilter erforderlich.
Leise unterwegs
Das sehr niedrige Geräuschniveau im Fahrerhaus gehört zu den besonders auffälligen Merkmalen im XF 105. Bei normaler Marschgeschwindigkeit ist der 6-Zylinder unter dem Fahrerhaus kaum zu hören. Nach wie vor beeindruckend sind auch die Leistungen der MX Engine Brake. Muss etwa aus Marschgeschwindigkeit heraus in einen Gefällbereich heruntergebremst werden, reichen die rund 210 kW, den die Kompressionsbremsanlage leistet, absolut aus. Im höheren Drehzahlbereich ist die MX Engine Brake noch stärker. Bei 2100 u/min wird eine kombinierte Bremskraft von 320 kW erzielt. Leistungen, die in vielen Fällen den Verzicht auf einen Retarder rechtfertigen.
Interessante Alternative
Lässt sich auch der Verzicht an dem ohnehin knapp bemessenen Lebensraum für die Fahrer rechtfertigen? Gerade in Zeiten von Fahrermangel sollte den Firmen das Beste und Größte gerade gut genug sein. In vielen mittelständisch strukturierten Transportfirmen ist das auch so. In größeren Logistikunternehmen ist es für den Fahrer dagegen möglich, das Kostendiktat der Controller zu unterlaufen. Hier sind vielfach die Basisvarianten gefragt. Das ist bei DAF in der schweren Klasse das Space Cab-Fahrerhaus. Das ist im nationalen Fernverkehr eine absolut interessante Alternative. Das gilt umso mehr, als dass DAF dem Interieur ein erstes Update hat zukommen lassen. Das beinhaltet einige Verbesserungen im Detail wie einen weiteren Staukasten in der Dachgalerie, eine neue seitliche Sonnenblende oder neue Innenraumleuchten. Features, die den Fernverkehrsalltag noch angenehmer gestalten, auch wenn nicht das Raumangebot wie in einem Super Space Cab-Fahrerhaus zur Verfügung steht. In Sachen Stauraum hat auch die kleine Variante des DAF-Flaggschiffs einiges zu bieten. In zwei großen Staukästen über der Windschutzscheibe lässt sich der Inhalt des „Seesacks” für die Woche locker und vor allem gut erreichbar unterbringen. Das seitliche Staufach hinter dem Fahrersitz könnte dagegen etwas größer ausfallen.
Positives Raumgefühl
Dem großzügigen Raumgefühl im Space Cab kommt der stark abgesenkte Motortunnel sehr entgegen. Der ragt gerade mal 15 cm ins Fahrerhaus hinein. Davon profitiert der Fahrer in mehrfacher Hinsicht. Der Durchstieg zur Beifahrerseite ist bedeutend komfortabler, zwischen Tunnel und der Mittelkonsole bleibt Freiraum für die Füße, was den Zugang zu den Schränken in der Dachgalerie vereinfacht, und unter dem Bett gibt es zusätzlichen Stauraum.
Schlafen im Space Cab? In Sachen Schlafkomfort werden auch im Space Cab-Fahrerhaus keinerlei Abstriche gemacht. Der Fahrer findet Matrazen aus einem Stück vor, die höchsten Schlafkomfort bieten. Die untere Schlafliege hat eine Länge von 210 cm und eine Breite von 81 cm; die Matratze ist 15 cm dick. Eine zweite, etwas schmalere Liege ist zwar vorhanden, dürfte aber kaum genutzt werden.
Professioneller Arbeitsplatz
Einen sehr guten Eindruck hat auch der unmittelbare Fahrerarbeitsplatz hinterlassen. Alle Bedienelemente mit Fahrfunktionen sind ergonomisch um das Lenkrad gruppiert. Viele Funktionen wie Motorbremse oder AS-Tronic werden über Hebel an der Lenksäule aktiviert. Das ergonomische Konzept ist so ausgelegt, dass sich der Fahrer intuitiv am Arbeitsplatz DAF XF 105 zurechtfindet. Das Lenkrad ist auf Wunsch mit Airbag und integrierten Schaltern für die Betätigung von Tempomat, Downhill Speed Control und Telefon lieferbar. Etwas gewöhnungsbedürftig ist dagegen das stehende Bremspedal. Im Gegensatz zum hängenden Pendant, auf das der Wettbewerb setzt, lässt sich die stehende Variante anfangs nicht so feinfühlig dosieren.
Fazit: Im Image-Ranking haben Basis-Ausführungen kein großes Ansehen. Viel hilft viel, so das einhellige Credo der meisten Fahrer. In Sachen Kosten können Basis-Ausführungen dagegen meistens punkten. Genau das ist beim DAF XF 105.410 mit Space Cab der Fall. Das Einstiegsmodell in die DAF-Königsklasse bietet zwar nur vergleichsweise bescheidene Leistungen, ist aber alles andere als ein billiger Kompromiss.
Fotos: DAF Trucks, sk
Archiv
Vermieten und Mieten
Auflieger, Anhänger, Aufbauten
Baufahrzeuge
Cars for Business
Finanzen & Fuhrpark
Hallen & Tore
Lasterhaftes (Lkw: alle Arten)
Messen & Veranstaltungen
Produkt-News
Räder & Reifen
Rund ums Fahrerhaus
Schwerlastverkehr
Sicherheit, Aus- und Weiterbildung
Telematik & Software
Test- & Fahrberichte
Tipps & Trends
Transporter-Management
Umwelt & Verkehr
Unternehmen
Werkstatt, Teile & Zubehör
Anmeldung
Achtung: Cookies müssen vom Browser beim Login akzeptiert werden.



