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NFM-Verlag > Archiv > Sicherheit, Aus- und Weiterbildung

15.12.2009

Interview mit der Weiterbildungspflicht im Blick

Fotos: BBZ Nordhausen

Gegebene Bedingungen bestmöglich nutzen

Das Berufsbildungszentrum (BBZ) für den Straßenverkehr führt als Ausbildungseinrichtung auch Weiterbildungen nach dem BKrFQG an verschiedenen Standorten bundesweit durch.
Die ersten Module für den Nachweis der Weiterbildung nach Berufskraftfahrer-Qualifizierungsgesetz sind durchgeführt worden. NFM hat Dietmar Zenker, den Leiter des Schulungsbereichs Cars, Trucks & Training des BBZ in Nordhausen, nach den ersten Erfahrungen und Trends gefragt.  

Fotos: BBZ Nordhausen

 Wie hat sich die Nachfrage nach diesen Schulungen bisher entwickelt und welchen Trend sehen Sie für die Zukunft?

Zänker: Die bisher durchgeführten sowie die geplanten Weiterbildungsmaßnahmen im Rahmen der Berufskraftfahrer-Richtlinie wurden zum Großteil aufgrund unserer Akquise und Kontaktpflege generiert. Das BBZ hat Informationsveranstaltungen zu diesem Thema in verschiedenen Einrichtungen und auf Messen gehalten. Unser Vertriebspersonal berät im gesamten Bundesgebiet unverbindlich über die Weiterbildung und bestehende Fördermöglichkeiten. Der Anteil an Unternehmen die ohne vorherige Ansprache und Information auf uns zukommt steigt stetig. Ab Ende 2011, Anfang 2012 ist auf dem Schulungsmarkt mit einem Nachfrageüberhang und somit auch mit Preiserhöhungen zu rechnen. Wer die Weiterbildung jetzt plant, sichert sich nicht nur die aktuellen Preise sondern kann auch die Termine besser disponieren.

Warum bietet das BBZ Straßenverkehr im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern mehr als fünf Module im Rahmen der Weiterbildung an?

Zänker: Eine Leistungserbringung gemäß den kundenspezifischen Erfordernissen ist uns sehr wichtig. Es besteht eine Durchführungsplicht, warum sollte die Weiterbildung für die Spedition nicht so nutzenbringend wie möglich geplant werden. Freiwillige Schulungen werden schließlich auch aufgrund eines konkreten Bedarfs ausgesucht. Das von einem Großteil der Anbieter, insbesondere den Fahrschulen favorisierte Standardschema mit den fünf gleichen Modulen für alle Unternehmen wird den differenzierten Anforderungen an das Transportgewerbe aus unserer Sicht nicht gerecht. Warum sollte z.B. eine reine Tankwagen-Spedition ein 7-stündiges Modul Ladungssicherung absolvieren lassen. Ladungssicherung ist für Tankwagenfahrer beim BBZ Bestandteil des praktischen Sicherheitsprogrammes. Bei uns sollen die Unternehmen aus acht bzw. neun Modulen die für sie geeigneten fünf Schulungen selbst wählen.

Wie sind die ersten Erfahrungen mit den Teilnehmern und den geforderten Inhalten?

Zänker: Die grundsätzlichen Meinungen über das Gesetz sind sehr unterschiedlich. Es gibt Spediteure und Unternehmer die der Weiterbildungspflicht ablehnend gegenüberstehen und andere die sagen es hat sich eigentlich nichts geändert, Schulungen wurden ja stets durchgeführt. Nach den Schulungen war die Resonanz bisher durchweg sehr positiv, bei den Unternehmen wie auch bei den Fahrern. Teilweise stellen unsere Referenten und Moderatoren große Lücken und Defizite in Punkto der geforderten Kenntnisbereiche beim Fahrpersonal fest. Unnütz war bisher jedenfalls keine Schulung. Was nur noch selten vorkommt ist eine generelle Unkenntnis der Gesetzmäßigkeit.

Welche Chancen hat das Transportgewerbe die durch das BKrFQG gestellten Anforderungen positiv zu nutzen?

Zänker: Die entscheidende Frage für ein Dienstleistungsunternehmen ist die Frage nach seinem Human Ressource, nach der Eignung und Kompetenzen der Mitarbeiter. Im Rahmen von fachlich und methodisch/didaktisch ausgereiften Schulungen lassen sich Themen wie vorausschauendes defensives Fahren, die Kenntnis des eigenen Verantwortungsbereichs, ein besseres Gefühl für das Fahrzeug, etc. den Fahrerinnen und Fahrern vermitteln. Sicher ist es auch eine Frage der Einstellung zum Beruf. Praktische Module bieten die Möglichkeit alte und neue Handlungsmuster unmittelbar umzusetzen und zu vergleichen. Hierdurch wird viel häufiger und intensiver ein Lerneffekt erzielt als durch reinen Kopfunterricht. Durch die Förderung, mittels der im Rahmen der Maut Harmonisierung aufgelegten Programme, des Bundesamts für Güterverkehr lassen sich die Weiterbildungsschulungen sehr günstig durchführen. Diese Förderung ist absolut richtig und sehr wichtig für das Gewerbe. Es liegt an jedem Unternehmen die gegebenen Bedingungen bestmöglich zu nutzen.

Sie setzen hier spezielle Tankfahrzeuge mit Stützrädern zum Fahrertraining ein. Wie wichtig sind diese Trainings für die Unternehmen geworden? Und gab es hier auffällige Änderungen in der Nachfrage?

Zänker: Unternehmen wie die Total Deutschland GmbH und die Aral Deutschland GmbH aber auch kleine Speditionen setzen seit Jahren auf diese Schulungen, somit können Daten erhoben und verglichen werden. Und die Statistik zeigt eine tolle, sehr positive Entwicklung. Auch aufgrund dieser Trainings sind schwere Unfälle mit Tanklastern weitestgehend von der Straße verschwunden. Diese positive Entwicklung ist lange nicht abgeschlossen und muss durch kontinuierliche Schulungen und weitere Innovationen gestützt werden. Waren es früher vorwiegend die großen (ARAL, Total) haben wir mittlerweile auch Aufträge und Anfragen von mittelständischen und kleinen Speditionen. Für unsere langfristigen Kooperationspartner wurden Aufbauseminare entwickelt um die Entwicklung bereits geschulter Fahrer weiter voran zutreiben.


Im Juni 2009 haben Sie als Übungsgelände das Autodrom Nordhausen in Betrieb genommen. Wie sieht die erste Zwischenbilanz nach nun mehr sechs Monaten aus?

Zänker: Das Autodrom wurde nach seinem Ausbau zu einem modernen Aus- und Fortbildungszentrum für die Beförderungs- und Transport- sowie die Speditions- und Logistikbranche sehr gut angenommen. Angefangen von Trainings für Pkw Fahrer/innen  über Trainings für Fahrer/innen von Einsatzfahrzeugen bis hin zu Tankwagen Sicherheitsprogrammen sind hier Schulungen und Seminare für verschiedenste Zielgruppen möglich. Aufgrund der Platzverhältnisse mit weiten Anlaufstrecken und Auslaufzonen können hier in idealerweise Lkw und Bus Trainings stattfinden. Auch aufgrund der zentralen Lage im Bundesgebiet haben wir bspw. bereits einige Tankwagen Trainingstermine nach Nordhausen verlegen können. Neben den Nutzfahrzeug Programmen wollen wir auch unsere Zusammenarbeit mit Autohäusern und Unternehmen der Region für das Autodrom weiter ausbauen.

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