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NFM-Verlag > Archiv > Rund ums Fahrerhaus

05.03.2009

Iveco Stralis: Zwei Fahrerhäuser im direkten Vergleich

Üppig oder doch lieber schlank?

Die Anforderungen an diesen Arbeitsplatz sind unterschiedlich Der Fahrer will vor allem viel Raum und  Komfort. Ein Maximum an Kubikmetern umbauten Raums und Komfort in Form von Extras wie besonderen Inneneinrichtungen, einer Vielzahl an Ablagen und Kühlschrank kollidieren mit einer Anforderung an schwere Nutzfahrzeuge. Sie sollen möglichst wenig Eigengewicht auf die Waage bringen. Das steigert die Nutzlast und damit die Wirtschaftlichkeit.

Es gibt Transportsegmente, da zählt jedes Kilogramm. In diesen Fällen wird gerne zu einer ausgewiesenen Light-Variante gegriffen. Doch wo genau liegen die Unterschiede und wie wirken sie sich aus? Wir waren mit zwei Iveco Stralis unterwegs. Testobjekte waren der Stralis mit dem Fahrerhaus Active Space – L und der Stralis mit dem Fahrerhaus  Active Time – N.

Zwei Fahrerhäuser, die für den Fernverkehr konzipiert wurden. Aber auch zwei Fahrerhäuser mit gravierenden Unterschieden. Während es sich beim Active Space um ein klassisches, und von den Fahrern geschätztem Großraumfahrerhaus mit Hochdach handelt, rollt das Activ Time Fahrerhaus als vergleichsweise bescheidene Hütte mit Flachdach daher.

Unterschiedlich motorisiert

Gravierende Unterschiede gibt es auch bei der Motorisierung beider Stralis-Varianten. Unter dem geräumigen Active Space-Fahrerhaus sorgt ein 6-Zylinder-Reihen-Diesel vom Typ Cursor 10  mit 331 kW (450 PS) für Power. Der Active Time-Stralis ist mit einem Cursor 8 Motor ausgestattet, der es lediglich auf 265 kW (360 PS) bringt. Der Vorteil in Sachen Leistung zeigt sich als Nachteil in Sachen Gewicht. Der Cursor 10 Motor bringt trocken immerhin 254 kg mehr und damit eine Viertel Tonne weniger Nutzlast auf die Waage.

Die Gewichtsunterschiede beider Varianten sind jedoch weitaus gravierender. Die Fahrt über die Waage beider voll getankten Stralis erbrachte einen Gewichtsunterschied von satten 1400 kg. Sicherlich ein Vergleich der stark hinkt, weil es ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen ist. Aber so praxisfern wie es zunächst scheint, ist dieser Vergleich nun doch wieder nicht, lassen sich doch Transporte, in diesem Fall mit Tankaufliegern, mit beiden Fahrzeugkonzepten durchführen.

Sparsamer Cursor 8-Motor

Ein durchaus überraschendes Ergebnis hat sich bei den Verbräuchen ergeben. Die beiden Stralis-Varianten mit ihren höchst unterschiedlichen Motorisierungen unterschieden sich im Verbrauch nur marginal. Und das sowohl bei Fahrten mit leeren und vollen Tankaufliegern.  Die Gründe dafür sind vielfältig: Zunächst ist der Cursor 8-Motor als sehr verbrauchsgünstiges Aggregat gerade im Leerbereich bekannt. Dass er sich auch mit vollem Tanktrailer als sehr genügsam präsentierte lag am deutlichen Mindergewicht (immerhin wog das Gespann mit de Stralis light 1400 kg weniger) und an der reduzierten Angriffsfläche für den Wind. Der Stralis Active Space hat ein breiteres und vor allem höheres Fahrerhaus und war zudem mit Spoiler ausgestattet, die sich bei Fahrten mit Tankauflieger eher störend auswirken.

Ein weiterer Unterschied: Der Stralis Active Time war mit Supersingle-Bereifung ausgestattet. Eine Option, die nach Angaben des Herstellers rund einen weiteren Liter weniger bringt. Last but not least: Kleinere Motoren laufen häufiger im Volllastbereich, in dem Dieselmotoren effizienter arbeiten. Dafür spricht auch der Umstand, das beide Varianten bei Verbrauch von Ad Blue gleich auf lagen. 

Sieger nach Punkten

Klarer Sieger nach Punkten ist der Stralis Active Space in Sachen Komfort. Hinter den Sitzen eine Liege zu platzieren reicht heute nicht mehr aus. Wer sich die Woche über im Fahrerhaus wohl fühlen soll, benötigt ein Maximum an Raum. Der ist bekanntlich nach mitteleuropäischem Standard ohnehin stark begrenzt.

Gepunktet hat der Stralis Active Space auch bei der gefühlten Sicherheit. Gerade auf regennasser Fahrbahn war die leichte Variante, die zudem nicht einmal über einen Retarder verfügte, deutlich unangenehmer zu fahren. Ein Grund dafür ist sicherlich die Supersingle-Bereifung mit ihrer höheren Schlupf-Neigung.

Fazit: Allen Gewichtsvorteilen zum Trotz: Gönnen Sie ihren Fahrern im Fernverkehr ein Fahrerhaus mit maximalem Raumangebot und Komfort. Beides geht zwar zu Lasten der Nutzlast wirkt sich aber positiv auf die Motivation des Fahrers und den damit verbundenen Vorteilen auf der Kostenseite eines Transportunternehmens aus. 

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